Die Echte Engelwurz (Angelica archangelica), auch Erz-Engelwurz, Brustwurz, ist eine Pflanzenart der Familie der Doldenblütler. Die schnellwachsende, zweijährige Pflanze wird bis zu 2 Meter hoch und hat tief eingeschnittene, hellgrüne Blätter. Im Spätsommer bringt sie Dolden mit kleinen, hellgrünen Blüten hervor. Die Art wächst sowohl im Schatten wie auch in der Sonne. Sie sollte jedoch vor Wind geschützt werden. Der Echten Engelwurz ähnlich ist die bei uns häufigere Wald-Engelwurz. Verwechslungsgefahr besteht mit dem giftigen Wasserschierling. Als Inhaltsstoffe treten ein ätherisches Öl, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Harz und organische Säuren auf. Die Berührung mit dem Kraut kann zu „chemischen Brandwunden“ führen – ab Mai enthält die Pflanze phototoxische Furocumarine, die eine Dermatitis hervorrufen können. Engelwurz ist eine Pflanze der nördlichen Zonen. Im Mittelmeerraum gibt es keine Engelwurz, daher schreiben antike Autoren auch nicht über sie. Die ältesten Schriftzeugnisse über Kultur und Verwendung stammen aus Skandinavien, Island und Grönland. Es waren die Wikinger, die die Engelwurz in Mitteleuropa einführten. Dort kam die Engelwurz als Kulturpflanze zunächst in den Klostergärten im späten Mittelalter auf. Seit dem 15. Jahrhundert erfreute sie sich in Europa großer Beliebtheit und wurde als das wichtigste aller Heilkräuter eingestuft. Die Benediktiner und später die Kartäuser nahmen sich der Engelwurz besonders an. Während der Pestepidemien kauten Ärzte auf der Wurzel der Engelwurz, um sich vor Ansteckung zu schützen. In der Volksmedizin wurde Engelwurz als Gegenmittel gegen Tollkirschenvergiftung eingesetzt. Sie sollte aber auch bei Alkoholvergiftung wirken. Engelwurz gilt nach wie vor als Universalheilmittel, das antibakteriell wirkt und auch gegen Schimmelpilze hilft. Arzneilich am wirksamsten sind die Wurzeln. Der Tee hilft bei Magen-Darm-Problemen, Rheuma und Bronchitis und wird wie folgt zubereitet. Einen gehäuften Teelöffel fein geschnittener Droge mit kochendem Wasser überbrühen und bedeckt 10 Minuten ziehen lassen. Bei Appetitmangel mit Honig gesüßt vor den Mahlzeiten eine Tasse warm trinken, bei Blähungen etc. ungesüßt. Die Wurzel regt außerdem die Lebertätigkeit an. Angelikawurzel ist ein wichtiger Bestandteil von Magenlikören. Ein weiteres Produkt mit Angelikawurzel ist Klosterfrau Melissengeist. Alle Bestandteile sind hocharomatisch und haben nervenstärkende Wirkung. Deshalb wird die Wurzel wohl auch in vielen Kräuterbittern verwendet. Die Sprossen eignen sich auch für Salate. Engelwurz wird häufig kandiert und wie Orangeat oder Zitronat als Backzutat verwendet – und dabei auch gerne gefälscht, denn „Angelika“ ist teuer. Fälschungen sind allerdings leicht erkennbar. Hat sich der Teig grünlich verfärbt, dann war Ersatz im Spiel: Angelika färbt nämlich nicht ab. Stängel und Wurzel können roh verzehrt werden, und in Norwegen, in Island und auf den Färöern wird Engelwurz heute noch als Gemüse verzehrt. Die Engelwurz wird als Fixativ in Potpourris verwendet; Engelwurzöl gehört zu den Bestandteilen, die dem Cointreau-Likör seinen Duft verleihen. Die Likörfabrik in Bockau im Erzgebirge stellt als einzige in Deutschland einen reinen Angelika-Likör her. Zur Likörfabrik gehört auch ein kleines Schnapsmuseum, wo man – natürlich nur andeutungsweise – in die Geheimnisse der Produktion eingeweiht wird und den „Aechten Angelika-Liqueur“ verkosten und neben anderen Spezialitäten auch kaufen kann. Engelwurz ist eine alte Symbolpflanze für die Dreifaltigkeit Gottes und für den Hl. Geist, da der Stängel zwischen zwei einander umschließenden Häuten emporwächst. Sie taucht daher schon früh in der christlichen Kunst auf.
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